Tangoinpetto beflügelt Fernweh des Vagabundo

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Fotos: Annelena Witthus

 

(VK) Einmal im Jahr, mitten im Sommer, dann wenn die Welt die Koffer packt, lockt die Schuhfabrik Ahlen ein kleines Fleckchen Tangowelt zu sich ins Haus; den Heimathafen des Tango Vagabundo. Der Zufall, der ja oftmals die buntesten Blüten treibt, wehte am letzten Samstag nun Katharina Wibmer und Gerhard Schiewe als Tangoinpetto aus dem fernen Stuttgart auf die Bühne und hinterließ bleibende Eindrücke; bei Zuhörern, Tänzern zwischen Siegen und Bielefeld und ja, auch beim Veranstalter selbst.

Während vor der Saaltür die Ahlener Fußballhorden der Schuhfabrik sich im Schankraum in schwarz-gelber Glückseligkeit freudetrunken in den Armen lagen, Gladbach tanzte schließlich selbst mit 3 verlorenen Punkten ab, stieg im Saal die Vorfreude auf das erste Tangoinpetto-Konzert in NRW.

Die Wurzel dieser Liaison liegt in einem verregneten Kinoabend in Kappeln an der Schlei vor neun Jahren. So startete der Conférencier des Abends, Tangolehrer Jörn Kitzhöfer, seine Begrüßung an das Publikum. Damals blieb ihm, der im Film auftauchende Titel Qui a tué le Tango im Hinterkopf und eine im Internet entdeckte  Interpretation von Gerhard Schiewe ließ ihn im Frühling spontan Kontakt mit Schiewe und Wibmer aufnehmen, die zwischen Berlin und Stuttgart in mehreren Ensembles spielen. Gerade zu der Zeit, als die Schuhfabrik gemeinsam mit Kitzhöfer auf der Suche nach einer, diesmal vielleicht etwas unbekannteren Gruppe für den SommernachtsTango war. Ein kurzes Gespräch und man war sich nicht nur einig, sondern auch direkt sehr zugetan: einzige Bedingung…Qui a tué le Tango wird gespielt. Auch Tangolehrer haben schließlich noch Träume.

Nach einem abwechslungsreichen, konzertanten Teil, in dem jenseits der üblichen Tangosets auch Filmmusik das Bühnenkostüm des Tangos überstreifte, als ob es für sie geschneidert wäre, und die Erkenntnis beim Publikum wuchs, Lennon und Mc Cartney hätten ihr heimliches Tangoarrangement für Blackbird über Jahrzehnte in der Schublade versteckt, was von Schiewe auf der Bühne auch bekräftigt wurde, wandelte sich das Auditorium endlich zum Tanzsaal und das Kammerorchester zur Tangokapelle. Ein zweites tanzertantes Set, in einem ungewohnt, frechen Stil zwischen anspruchsvollen Interpretationen und dem unverschämten Flirten einer Straßenmusik, lockte die Tänzer mit dem Charme diebischer Komplizenhaftigkeit auf die Fläche. Zwischen Neuinterpretationen und Eigenkompositionen, die direkt vertraut klangen, wurde der Abschied von der Bühne dem Duo nicht leicht gemacht.

Der Abend wurde lang; sowohl für Publikum als auch für die Künstler, sowohl tänzerisch als auch ideenschmiederisch. Und um nicht so schnell auseinandergehen zu müssen, wurde kurzerhand ein sonntäglicher Spontangig im nahen Münster (Anmerkung: westfälische, liebenswerte Kleinstadtmetropole, vor den Toren von Ahlen gelegen) organisiert. Nach einer letzten, heimlichen Zugabe, stopften sich Vagabundo und Inpetto in den Renault, schliefen sich kurz aus und ein paar Stunden später beschallte und betanzte man schon wieder, regengeschützt den münsterischen Prinzipalmarkt. Vielleicht die längste Zugabe der Welt nach einem schönen Sommerabend.

Manchmal gibt es Momente als Tänzer, in denen hat man das Gefühl, auch nach Jahren, man tanzt seinen eigenen Soundtrack. Wir sagen mehr als Danke und wir sind uns sicher, das Wiedersehen kommt bald!

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