Bewegender Stillstand – Tango Vagabundo in Zeiten von Corona

(JK) Seit dem 15.März 2020 befindet sich auch das Vagabundo im beunruhigten Ruhezustand. Wir, die wir es in 2 Jahrzehnten Tango als Selbstverständlichkeit empfunden und gelebt haben, im täglichen, ganzjährigen tänzerischen Alltag unsere Kollegen, Freunde, Teilnehmende und Komplizen in drei Städten zu treffen und gemeinsam mit diesen im direkten Austausch zu reden, zu tanzen, zu diskutieren, zu lehren und zu lernen sind trotz der vergleichsweise kurzen Zeit gefühlt nun schon so ungewohnt lange getrennt.

Doch auch die körperliche und räumliche Distanz hat bislang nicht dazu geführt, dass wir uns verloren gegangen sind. Im Gegenteil: seit langem gab es schon keinen so intensiven Austausch jenseits der Salons und Tanzstudios, solch ein Interesse daran, zu wissen, wie es den anderen geht und wie sie derzeit diese Krise persönlich durchleben.

Direkt ab der ersten Woche haben wir es uns zum persönlichen Anliegen gemacht, weiterhin für unsere Schüler*innen da zu sein. Auch wenn es in dieser Zeit bedeutsamere Dinge gibt, so haben wir in den vielen Telefonaten und Nachrichten, die uns als Reaktion erreichten herausgehört, dass auch der Tanz ein Teil des Lebens ist, der nun am Ende der Selbstverständlichkeit körperlich und vor allem emotional fehlt. Die Gründung der Online-Lehrreihe Vagabundos Tanzlustbarkeiten in Kombination mit unserem Radio Vagabundo über laut.fm schafft es derzeit, weiterhin einen persönlichen Austausch durch, mit und für den Tango zu pflegen. Ihn nun vielleicht sogar noch zu intensivieren. Die Schüler*innen trainieren zu Hause anhand der Lustbarkeiten allein oder zu zweit. Sie geben uns Rückmeldungen, schicken selbst Videos aus ihrem eigenen „Tanzstudio“, werden darüber kreativ und bleiben in den sozialen Netzwerken im Austausch. Unsere Online-Salons am Wochenende lassen den kreativen Umgang mit dem Medium Radio wieder in einem neuen, spannenden Licht erscheinen.

Es geht also weiter; wie lange es auch nun dauern mag. Und wir sind froh und stolz zu wissen, dass es auch in diesen Zeiten eine Form von Zugewandtheit und Solidarität gibt, die uns zeigt, wie wertvoll es ist, sich über eine Kunstform wie den Tango kennenzulernen und darüber sich mit den Menschen zu verbinden.

Wir für unseren Teil werden daran festhalten und schauen auch in der Krise mit einem Lächeln zu euch in die Ferne!

Zum Schluss möchten wir allen Spendern danken, die auch ohne offiziellen Aufruf unsererseits bereits jetzt schon mitgedacht und sich ausgerechnet haben, dass natürlich auch ohne Geklapper sich in, im Moment nicht abzuschätzender Form unsere Ressourcen abschmelzen werden. Wir werden auch jetzt keine Gebühren o.ä. für unsere Ideen nehmen. Wer das Gefühl hat, es lohne sich zu helfen, kann dies tun. Jederzeit. Jede Geste ist in dieser Zeit ein Gewinn.

Bleiben wir aufrecht, schauen wir genau hin, hören wir einander zu und vollbringen wir im Stillstand bewegendes!

Jörn Kitzhöfer – Vagabundo

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